Überraschung!

17. April 2016

„Ah, Brösecke. Ich wollte Sie gerade rufen lassen.“
„Ja, ich weiß, Chef. Sie können mich jetzt einlochen lassen. Ich komme sowieso nicht weiter. Ich habe keine Idee, was da passiert sein könnte.“
„Die gemütliche Zelle können Sie vergessen. Die Leiche ist verschwunden. Die Akte ist leer. Nur diesen Zettel haben wir gefunden.“

–– Was besseres fiel mir nicht ein. Der Hobbyautor. ––

„Kennen Sie einen ‚Hobbyautor‘, Brösecke? Ist das einer Ihrer anonymen Informanten?“
„Nee. Aber ich finde es echt Klasse, was er da getan hat. Jetzt muss ich nur noch die Wolle und den Whiskey zurückbekommen. Dann könnte es doch noch ein guter Tag werden.“

Fast ein Dialog

18. März 2016

Ein Leser:  Wann bekommen wir denn nun endlich mal wieder etwas Neues zu lesen? Wie geht denn die Geschichte weiter?

Der Autor:  Ich habe keine Ahnung.

Ein Kritiker:  Macht doch nichts. Das Geschreibsel will doch sowieso niemand lesen.

Ein Leser:  Aber hallo! Ich bin wohl niemand, oder was?

Ein Kritiker:  OK. OK. Also fast niemand will das lesen. Tuen sie sich und uns einen Gefallen und lassen den Protagonisten sterben. Dann ist endlich Schluss.

Der Autor: Das wäre eine Lösung. Aber sie kennen doch Hollywood. Die bringen selbst Tote wieder, wenn es Umsatz bringt.

Ein Kritiker: Die Gefahr besteht hier ja wohl eher nicht.

Ein Leser: Also ich bin gegen jegliche Beendigung der Story. Es soll weiter gehen! Jetzt!

Der Autor: Ja. Und wie? Ich habe da ohne Nachzudenken eine Situation kreiert, die aufzulösen, ich mich außerstande fühle. Ich könnte ja weiter warten, bis mich eine brillante Idee zu Boden schlägt. Aber ich habe da wenig Hoffnung.

Ein Kritiker: Das lässt mich nun wiederum hoffen.

Ein Leser: Ich gebe ihnen noch 5 Tage. Wenn es dann nicht weitergeht, fange ich damit an, die Story selbst fortzuführen. Und sie kennen ja die allgemeine Qualität von Fanfiktion.

Der Autor: Meinetwegen. Mir ist jetzt alles egal.

Ein Kritiker: Oh nein, bitte nicht! Nicht noch ein Schreiberling! Man reiche mir Wolle, Stricknadeln und ein großes Glas Whisky.

 

Erste Schritte

7. April 2015

‚Wie nun weiter? Wo fange ich an zu suchen?‘ Brösecke kuschelte sich unter seinen Schreibtisch, während seine Finger einen unsichtbaren Faden mithilfe zweier unsichtbarer Stricknadeln verknüpperte. Wie sollte ihm die unsichtbare Socke nur weiterhelfen?
‚Fangen wir ganz vorn an. Schritt für Schritt. Kneipe. Whiskey. Mehr Whiskey. Noch mehr Whiskey. Schöne Frau. Wie war gleich nochmal ihr Name? Genau, von Hügel. Freifrau Creamhilled von Hügel.‘ Brösecke erinnerte sich noch so gut an den Namen, da sie ihm erzählte, dass irgend so ein Dorfdichter sich mal über ihren Namen lustig gemacht haben soll.
Ab da wurde alles etwas undeutlich. Whiskey und Freifrau. Freifrau und Whiskey. Hügel. Eine ganze Menge Hügel.
‚Ach ja, sie fragte irgendwann, ob ich Kaffee mag. Ich versuchte zu erklären, dass Kaffee mich alkoholtechnich etwas zurückwerfen könnte. Sie lachte nur und meinte, es ginge eher um einen Frühstückskaffee.‘
Brösecke konnte sich ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen. Er hatte immer noch Schlag bei den Frauen. Und dieses glockenhelle Lachen. Ach!

Wie weiter?

19. März 2015

„Und wie kommt es, dass Sie wieder auf freiem Fuße sind?“
„Naja, Chef, gegen ein Pfand haben die mich da raus gelassen. Ich musste alle meine Vorräte an Wolle, Nadeln und Whisky als Garantie hinterlegen, dass ich zur Verhandlung komme. Ich wäre daher fast in der Zelle geblieben. Stellen Sie sich diese Grausamkeit vor. Alle meine Wollevorräte! Wie soll ich mich jetzt entspannen oder nachdenken oder entspannt nachdenken?“
Wachinger knurrte nur etwas unverständliches.
„Daher wollte ich Sie jetzt auch bitten, dass Sie mich vorerst freistellen, damit ich den eigentlich Mörder finden kann.“
„Ach so, Sie waren es gar nicht wirklich?“ Wachinger konnte sich das Grinsen diesmal nicht verkneifen. „Na gut. Ich gebe Ihnen 4 Wochen. Keinen Tag mehr. Danach sitzen Sie entweder wieder strickend hier unter Ihrem Schreibtisch oder jammernd in irgendeiner Zelle. Verstanden!“
„Jawolllll!“

Comeback

16. März 2015

„Brösecke, sind Sie das? Sind Sie das wirklich?“
„Ja Chef, ich bin es wirklich.“
„Wo waren Sie denn so lange? Wir haben Sie monatelang nicht mehr gesehen. Keiner wußte, wo Sie abgeblieben sind.“
„Ja, mir ist da eine witzige Geschichte passiert.“
„Ich höre.“
„Sie erinnern sich doch noch, als ich sagte, dass ich lieber jemanden umbringe, als den Kutschenverkehr zu regeln.“
„Ja, ich erinnere mich.“
„Das hat wohl jemand wörtlich genommen.“
„Wie das?“
„Naja, alle Details weiß ich auch nicht so genau. Aber ich hatte wohl die eine Nacht etwas zu viel Whisky getrunken. Und am morgen wache ich blutverschmiert neben dieser Leiche auf der Parkbank auf, umringt von Gendarmen. Seitdem saß ich in einer Zelle.“
„Ja, aber warum habe ich davon nichts erfahren? Ich bin doch der Chef hier.“
„Ähm, die Bank stand nicht in dieser Stadt.“

Der Gärtner war’s

14. Juli 2014

Zögernd ging er die enge Wendeltreppe hinab. Der Widerhall seiner Schritte war unheimlich. Unten angekommen stand er in einer kleinen Grotte, die sich in sieben Gänge verzweigte. Welchen sollte er nehmen? Wo würde er ihn finden? Wollte er ihn wirklich finden? Sein Zögern nutzte nichts. Er musste. Er hatte es ihr versprochen. Er oder ich, hatte er gesagt.
Sieben Gänge. Der Graf war der vierte seines Namens. Da er keine andere Idee hatte, wählte er also den vierten Gang. Bevor er hinein ging, versicherte er sich noch einmal, ob er alles griffbereit hatte. Pistole mit Silberkugeln. Knoblauch. Kreuz.
Nach nur wenigen Schritten hörte er ein Geräusch hinter sich. Erschrocken drehte er sich um. Da war er. Der Graf! Und grinste ihn an. Die langen, spitzen Zähne schienen im Licht der Fackel zu glitzern.
„Na mein Freund, suchst du etwa mich?“
Er war wie paralysiert.
Langsam kam der Graf auf ihn zu. Verzweifelt griff unser Held zu dem großen, prunkvollen Kreuz, mit dem schon sein Großvater gearbeitet hatte.
Er hielt es mit ausgestreckten Armen. „Weiche von mir, Du Bestie!“
„Was soll denn der Schwachsinn! Ich bin Moslem. Das sollte sich doch in eurer Sippe mal langsam herumgesprochen haben. Also weg damit und mach mal den Hals frei.“
„Dann nimm das!“ Hinter dem Rücken zog er eine kleine Sichel hervor. Im Fackelschein sah sie aus wie ein Halbmond.
Aufschreiend ging der Graf in die Knie. „Oh nein! Bitte nicht!“
Doch es war zu spät. Die Macht dieses unheimlichen Symbols hielt ihn gefangen.
Als Fred-Theodor später den Turm verließ, wischte er die Sichel am Hosenbein ab und war froh, dass er keine Zeit mehr gefunden hatte, sie nach dem Jäten wieder aufzuräumen.

Brösecke schlug das Heft zu. Normalerweise war er nicht wirklich begeistert von diesen neumodischen Romanheftchen. Aber diesmal konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Nein!

28. Juni 2014

„Nein! Bestimmt nicht! Ich werde mich auf keinen Fall auf die Straße stellen und den Kutschenverkehr regeln. Was kann ich denn dafür, dass zur Zeit keine größeren Verbrechen geschehen, die ich dann aufzuklären hätte. Seinen Sie doch froh, das es in unserer Stadt so ruhig ist. Was heißt hier, Kutschenverkehrsregelung ist eine wichtige Aufgabe für das Wohl und die Unversehrtheit unserer Bürger. Also bevor ich mich bei dieser Hitze da rausstelle und diesen albernen Stock schwenke, ziehe ich lieber los, und bringe selbst jemanden um. Also Chef, was ist Ihnen lieber?“

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