Von Fall zu Fall XI

1. Mai 2012

“Nun kommen Sie schon. Zieren Sie sich nicht so. Ich habe extra etwas aufgeräumt und Platz für Sie gemacht. Ich kann nun mal am Besten unter meinem Schreibtisch nachdenken. Wir müssen den Fall nun endlich etwas voran bringen. Auch wenn wir im Augenblick keine Beweisstücke mehr haben, sollte uns das nicht weiter stören.” Brösecke winkte unter dem Tisch hervor. “Also nun haben Sie sich mal nicht so. Haben Sie noch nie unter einem Schreibtisch gesessen? Das ist perfekt! Sie haben alles griffbereit. Keiner stört sie. Und gemütlich ist es auch noch.”

Knaarch ging langsam in die Knie. Einige Kissen, zwei Tassen voll dampfenden Tees, eine Schale Gebäck. Das sah wirklich gemütlich aus. Na ja, er konnte es ja mal versuchen.

“Na endlich”, knurrte Brösecke. “Etwas Wiskhey zum Tee? Nein? Na dann zur Sache!”

Von Fall zu Fall X

9. April 2012

“Sie haben was?” Brösecke glaubte seinen Ohren nicht trauen zu können.

“Die Asservatenkammer ist kein Abstellraum. Sie wissen doch, daß nur noch Beweisstücke mit korrekt ausgefüllten Formularen von mir bearbeitet werden. Alles andere wird nach 48 Stunden entsorgt.” Knödlinger grinste verhalten. “Ich habe sowieso schon Platzprobleme durch diese neuen Formulare. Wenn das so weitergeht, lagern hier bald mehr Formulare als Beweisstücke.”

“Sie haben was?” Brösecke hoffte immer noch, sich verhört zu haben.

“Tun Sie uns beiden einen Gefallen. Reden Sie mit dem Chef. Wenn dieser Formularwahn aufhört, habe ich wieder Platz zum Arbeiten und Ihnen gehen keine Beweisstücke mehr verloren.”

“Sie haben …?” Den Rest hörte Knödlinger nicht mehr, da Knaarch Brösecke schon zur Tür hinausgeschoben hatte.

Von Fall zu Fall IX

6. April 2012

“Wo haben Sie denn gesteckt? Seit Tagen suche ich Sie nun schon.”

“Immer mit der Ruhe, junger Freund.” Brösecke klopfte Knaarch gönnerhaft auf die Schulter. “Da wir sowieso nichts weiter zu tun hatten, habe ich mir einfach mal was Gutes gegönnt. Da gibt es diesen neuen Kutschenservice ‘Mörder Tours’. Also habe ich eine Reise zu den schönsten Orten des Verbrechens in der Umgebung gebucht. Absolut sehenswert! Sollten Sie unbedingt auch mal machen. Mord am Mühlenbach. Total romantisch. Kutschenüberfälle im Hohlweg. Spannend. Und natürlich der Klassiker. Ein Untoter und eine weiße Frau in einer Burgruine. Großartig! Leider sind wir auf dem Weg zur nächsten Attraktion selbst überfallen worden. Die Mitreisenden waren so altmodisch und verlangten gleich den sofortigen Abbruch der Reise. Schade! Und die Räuber erst. Sowas von unprofessionell. Auf dem Heimweg habe ich sie im Rasthaus ‘Zur verpatzen Chance’ gleich festnehmen können. Selbst im Urlaub holt mich die Arbeit immer wieder ein.” Brösecke schnaufte. “So, und nun wollen wir mal sehen, was Knödlinger uns so zu bieten hat.”

Von Fall zu Fall VIII

12. März 2012

“Wie lange müssen wir denn noch warten? Ich will endlich mit den Ermittlungen fortfahren”

“Ganz ruhig, Knülch. Die Ermittlungen rennen Ihnen nicht weg. Wenn wir zu zeitig bei Knödlinger reinplatzen, verderben wir alles. Also suchen Sie sich ein Hobby und verhalten sich ruhig.”

Brösecke nahm sich daraufhin ein Knäuel Wolle und ein paar Nadeln und verkroch sich unter seinem Schreibtisch.

Von Fall zu Fall VII

21. Februar 2012

“Brösecke, haben Sie mich denn nicht gehört? Wir haben ein Problem mit Knödlinger. Er will, bevor er die Indizien untersucht, daß wir irgendwelche Formulare ausfüllen.”

Brösecke grinste Knaarch unter seinem Tisch hervor an. “Also erstens reagiere ich nicht darauf, wenn man mir hinterherschreit. Das haben schon meine Mutter und meine letzte Frau erfolglos versucht. Und zweitens fülle ich grundsätzlich keine Formulare aus. So wie ich Knödlinger kenne, ist der viel zu neugierig, um die Stücke ununtersucht liegenzulassen. Geben wir ihm etwas Zeit und spazieren dann ganz zufällig bei ihm rein. Dann haben wir, was wir brauchen. Ohne Formulare.”

Von Fall zu Fall VI

21. Januar 2012

“Brösecke, was machen Sie denn schon wieder unter Ihrem Schreibtisch? Haben Sie keinen Fall zu lösen?”

“Doch, doch, Chef. Krawatsch ist gerade mit ein paar Beweisstücken auf dem Weg zu Knödlinger. Sobald wir die Ergebnisse haben, ist der Fall so gut wie fast gelöst.”

“Wer ist dieser Krawatsch?”

“Na dieser Neue, den Sie mir angehängt haben.”

“Ach, von Knaarch. Mensch Brösecke. Sie haben doch sonst so ein unfehlbares Gedächtnis. Wieso haben Sie so ein Problem mit dem Namen des Kollegen Knaarch?”

“Keine Ahnung. Aber sobald ich wieder mehr Zeit habe, was ja durch die fast baldige Lösung des Falles nicht in allzu ferner Zukunft sein sollte, werde ich mal darüber nachdenken.”

“Tun Sie das. Und halten Sie mich auf dem Laufenden.”

“Aber klar doch, Chef. Darf ich jetzt weiterstricken? Es ist gerade eine knifflige Stelle.”

Derweil in der Asservatenkammer. “Danke, danke. Ich habe jetzt keine Lust zu lesen.” Knaarch schob die Broschüre von sich, die Knödlinger ihm hingelegt hatte.

“Das ist nichts zu lesen”, erwiderte Knödlinger grinsend. “Das ist das neue Tatortbeweismaterialerhebungs-, -einreichungs- und -untersuchungsformular, kurz Tabemaereiunfo, das seit kurzem jedem Beweisstück beigelegt werden muß. Damit kann lückenlos jedes Indiz nachverfolgt werden. Ich bräuchte das für alle drei Stücke, die Sie mir mitgebracht haben. Vorher kann ich nichts machen.”

“Das machen Sie mal bitte mit Brösecke aus. Er leitet die Untersuchung.” Knaarch reißt die Tür auf. “Bröööööööööööööööösecke!”

Von Fall zu Fall V

4. Januar 2012

Brösecke und Knaarch standen links und rechts der Eingangstür und schauten durch die Fenster in die Herberge hinein.  Auf den ersten Blick war da nichts besonderes. Tische. Stühle. Weiter hinten die Küche. Die Latrine.

Aber warum alles in einem Raum? Brösecke sah noch mal genauer hin, und da wurde ihm klar, was ihn an dem ganzen störte. Da war kein Raum. Hinter den Tischen, den Stühlen, der Küche und der Latrine sah man die andere Straße. Es gab keine Wände! Weder innerhalb der Herberge noch an deren Rändern. Und natürlich auch kein Dach. Es sah aus, als ob jemand das alles auf einen Platz gestellt hätte.

Brösecke öffnete die Tür und ging hinein. Knaarch folgte ihm. Außer der Frontseite gab es wirklich keine weitere Mauer.

“Wissen Sie, was hier los ist?”

“Nicht viel mehr, als das, was Luigi zu Protokoll gegeben hat”, antwortete Knaarch. “Die Herberge ist wohl erst vor kurzem errichtet worden. Es sollte alles recht schnell gehen und der Bauherr schlug vor, manche Wände vorerst nur  aus Holz zu errichten, und wenn alles gut läuft, an den Ruhetagen diese dann Stück für Stück durch richtige Mauern zu ersetzen. Aber plötzlich, eines morgens, waren alle Wände weg.”

Brösecke fand das alles sehr eigenartig. “Kennt man denn den Namen des Bauherren?”

“Ja. Es ist der Maurermeister Olfred Potjomkin.”

 

Von Fall zu Fall IV

31. Dezember 2011

“Verdammt! Jetzt habe ich mich selbst verlaufen. In meiner Heimatstadt. Das darf doch wohl nicht wahr sein!” Brösecke konnte es einfach nicht fassen, daß das ausgerechnet ihm zugestoßen war. Ihm, der immer von sich behauptete, jede Kneipe seiner Stadt zu kennen.

Knaarch tippte ihm auf die Schulter. “Macht doch nichts. Vorerst können wir ja erst einmal da drüben Luigis Herberge in Augenschein nehmen und prüfen, was hier eigentlich geschehen ist.”

Tatsächlich standen sie keine zwanzig Schritte von der Herberge entfernt. Brösecke richtete sich wieder zu seiner vollen Größe auf und streckte das Kreuz durch. Er hatte sich also doch nicht verlaufen. Sein Gespür für Herbergen und Tavernen war noch voll in Ordnung.

Eigenartig war nur, daß es so schien, als ob die Sonne hinter den Fenstern der Herberge gerade unterging.

Gekreuzt

9. Dezember 2011

Da es immer wieder zu Verzögerungen bei der Veröffentlichung kommt, gibt es hier ein kleines Kreuzworträtsel zur Überbrückung der Wartezeiten.

Viel Spaß!

Und hier noch als PDF zum Downloaden und Ausdrucken.

Von Fall zu Fall III

30. November 2011

“Kawatsch, sind Sie sicher, daß das der richtige Weg  zu der Herberge dieses Südländers ist? Mir kommt es so vor, als ob wir hier jetzt schon mehrmals vorbeigekommen sind.”

“Aber sicher. Ich habe mir, während ich auf Sie wartete, extra noch einmal den kürzesten Weg beschreiben lassen. Zufällig saß dieser Araber an meinem Tisch, der auch als Fremdenführer arbeitet.”

“Wie war denn sein Name?”

“Alahi oder so. Fremdländische Namen kann ich mir doch so schlecht merken.”

Brösecke verzog sein Gesicht. “Hieß er zufällig al-Nawi? Das ist einer der größten Gauner der Gegend. Ein Fremdenverführer. Lockt die Ahnungslosen durch seine Wegbeschreibungen in eine Seitengasse und erleichtert sie dann ein wenig. Leider ist er uns bisher immer entwischt. Und von so einem lassen Sie sich den Weg zeigen, Klätz! Na gut, versuchen wir es halt wieder auf meine Methode. “

Knaarch schaute bedröppelt drein und zog den Kopf zwischen die Schultern. Dann schlürfte er Brösecke hinterher.

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